Exlibris - Der Büchertalk
mit Jürgen Kuttner
Jürgen Kuttner unterhält sich jede Woche mit einem prominenten Gast über dessen Lieblings(hör)bücher, seine literarischen Helden und Sätze, die ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen.
Diese Woche mit:
Boris Aljinovic
Schauspieler, TATORT-Komissar
Der Exlibris-Fragebogen zum Nachlesen
Mit 16 habe ich mich am meisten mit Fabian von Kästner identifiziert. Fabian taumelt mit unauffälliger Ernsthaftigkeit durchs Leben ohne dem Schicksal und seiner Zeit mit kraftvollen Entscheidungen begegnen zu können. Es bietet sich ihm nur einmal die Möglichkeit sich an einem kleinem unpolitischen und menschlichen Ereignis zu beweisen. Er will einen Jungen vom Ertrinken retten und stirbt dabei.
Kästners Bekenntnis zur Angst vor einem moralischen aber völlig spurlosen Dasein in einer dramatischen Zeit hat mich zutiefst überrascht und bewegt.
Winnteou Eins, Karl May
In 80 Tagen um die Welt, Jules Verne
Drei Musquetiere, Alexandre Dumas
Das Boot, Lothar Günther Buchheim
Herr der Ringe, J.R.R. Tollkien
Eine Amerikanische Tragödie, Theodor Dreisser
Felix Krull, Thomas Mann
Die Wahrheit über Arnold Hau, u.a. Robert Gernhard
Aller Tage Abend, Fritz Kortner
Erzählungen, B.Traven
Wohl Räuber Hotzenplotz. Meine Mutter berichtete mir, ich hätte es nach häufigem Vorlesen auswendig gekonnt, obwohl ich noch nicht lesen konnte. Ich finde es ist noch immer tolles Abenteuer Buch.
Dafür habe ich keine Antwort. Ich unterhalte nur eine zeitweilige Freundschaft mit einer Vorstellung von dem Autor. Es ist wie eine Freundschaft zu einer fiktiven Figur, die bei mir sicher eine Zeit lang besteht, aber sich bald in den Fundus all der Figuren verflüchtigt, die einen hier und da mal länger oder kürzer beeindruckten.
Internetbestellung, auch Buchladen, in der letzten Zeit eher von Verlagen der Hörbücher.
Kommt darauf an. Einige mir teure Bücher bleiben im Regal. Manche gehen wieder in den Verkauf im Internet. Meine Frau hat riesigen Spaß daran Bücher dort weiterzugeben. Andere Bücher landeten im Kinderzimmer und ein paar fristen verpackt im Keller ihr Dasein.
Was ich am meisten verleihe sind Fachbücher im weitesten Sinn. Bei mir kann auch ein Roman zum Fachbuch werden.
Ich kann mir nicht vorstellen so ein Urteil zu fällen. Für meine Arbeit finde ich es auch manchmal interessant wie mich jemand billig oder ungekonnt verführen will, oder wie andere es schaffen erfolgreich billig zu verführen und manches scheinbar Billige doch wahnsinnig unterhaltsam und daher überraschend lehrreich sein kann. Das schrecklichste, was einem Buch bei mir passieren kann ist, wenn es den Weg in den Wiederverkauf findet, ohne zum Ende gelesen zu sein, weil es mich langweilt.
Jonathan Coe »Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim«.
Ich darf ihn nämlich bald begleiten, wenn er in Deutschland liest.
Kester Schlenz "Die unglaubliche Reise durch die andere Welt" gelesen von Peer Augustinski.
Irgendwo stand bei B. Traven ein einfacher Satz am Ende einer Odyssee durch Goldgräberlager. Selbst Abwaschen sei eine Tätigkeit, die bei der man das Handwerk erst lernen müsse, schloss er da.
Und Alkmenes "Ach." als Schlusswort zum Stückende.
Der erste bedeutende Autor, den ich auf einer Lesereise begleiten durfte war Salman Rushdie mit "The Ground Beneath her Feet". Das war ein beeindruckendes Erlebnis.
Wie er seine Welt und Ansichten privat schilderte wir mir wohl unvergesslich bleiben.
Man müsste auf Musik und Lieder hoffen, bis wieder einige beginnen einen Plan vom
Leben in Worten zu notieren.
Schaue ich in die Zukunft, kann ich mir nur Vorstellen, dass das Buch zum Netz wie
Original zu Reproduktion stehen.
Ich wäre der Butler in einem Krimi. Während des ganzen Buches habe im Grunde gar nichts zu tun, ich stehe nur im Hintergrund rum und die anderen machen die Arbeit, dann, am Ende, mein großer Auftritt: Ich werde entlarvt und ich gebe alles zu und verfluche alle, die mir mein ganzes Leben lang im Wege gestanden haben, in einem bitteren, leidenschaftlichen Monolog.
Location
Die "Exlibris"-Sendungen werden in der Weinhandlung "Les Caves" in Berlin-Friedenau aufgezeichnet.
Les Caves-Weine
Helmut Seeger
Hedwigstraße 10
12159 Berlin
